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Kein Bedürfnis für 46-Meter-Büro-Wohn-Komplex

Mit einer Einsprache wehren sich langjährige Mietparteien der Rosentalhäuser gegen den neuerlichen Versuch der «Zurich» und der Basler
Baubehörden, mittels Zonen- und Nutzungsplanänderung Zugriff auf die guten und günstigen Wohnhäuser zu erhalten.

Der MV Basel hat im Namen von langjährigen Mieter/innen eine 9-seitige formelle Einsprache eingereicht sowie in eigenem Namen eine gleich lautende, weniger verbindliche «Stellungnahme». Gerügt wird in erster Linie das «liebedienerische Werk der Baubehörden gegenüber einem Milliardenunternjehmen wie der ‚Zurich’». Übergeordnete Aspekte einer ausgewogenen Raumordnung und Stadtentwicklung würden dabei nicht angemessen berücksichtigt, und der neu geplante 46-Meter-Büro-Wohn-Komplex entspreche keinerlei
städtischem Bedürfnis.

Auf 344 Prozent gesteigerte Büro-Leerstände
Bereits heute stehen im Stadtkanton über 80’000 Quadratmeter Bürofläche leer, so die amtlichen Statistiken. Dies entspricht einer Steigerung auf 344 Prozent, verglichen mit jenem Zeitpunkt, in dem die «Zurich» ihr erstes Projekt zur Beseitigung der guten und günstigen
Rosental-Wohnhäuser lanciert hatte. Auch das Bedürfnis nach teurem Wohnraum ist nicht ausgewiesen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Gründe, warum die «Zurich»-Gesamtplanung unerwünscht, unrechtmässig und teils willkürlich ist.

Taschenspielertricks um Grünzonen, Parkplätze und «Wohnen für alle»
Die «Zurich»-Gesamtplanung würde preisgünstigen Familienwohnraum unwiderbringlich vernichten; dies, obwohl das Gesetz nur gleichwertigen Ersatz erlauben würde, nicht aber Luxuswohnraum. Ferner zaubern die Baubehörden per Taschenspielertrick zusätzlich «Grünzone» hervor, während sie in Wirklichkeit Grünflächen überbauen und somit vernichten wollen. Schliesslich soll die «Zurich» eine Ausnahmebewilligung erhalten nicht nur für 46 Meter Turm-Höhe, sondern auch für unbeschränkte Erd-Grabungstiefe bis hin zu den «geologischen» Grenzen und dem Grundwasser.

thumb-detailVöllig missglückte Planung
Schliesslich fehlen im behördlichen Planungsbericht jegliche Hinweise auf die rechtlich bindenden Einschränkungen der Parkplatzverordnung, ebenso Hinweise auf die anfangs Monat vom Kantonspräsidenten als neu präsentierten Ziele der Wohnraumförderung «für sämtliche
Bedürfnisse» sowie Hinweise auf Entschädigungspflichten für benachbarte Hausbesitzer/innen, denen der Schattenwurf des neu geplanten Hochhauses zugemutet würde. Insgesamt eine missglückte Planung, die spätestens vom Grossen Rat oder dann in einer Referendumsabstimmung durch die Basler Bevölkerung beseitigt werden sollte, damit die Rosentalhäuser endlich definitiv geschützt wären.

D‘Made im Daig

  1. sg, f, baseldt. eine enge Ansammlung von gemeinsam sich fortbewegenden Maden [s.o], welche das kurze Madenleben in den Kampf stellt um soziale, politische, kulturelle, herkunftsbezogene oder geschlechtsspezifische Diskriminierungen zu beseitigen und deren Ursachen zu vertilgen.
  2. [me:d im dajg; Wortkreat. baslerdt., engl.; «Hergestellt im Basler Daig»] Ein Produkt des Basler Daigs. Hervorgegangen aus der Basler Stadtentwicklung, dem gemeinsamen Werk der Stadtregierung, privatwirtschaftlicher Interessen, sogenannter sozialer/kultureller «gemeinnütziger» Stiftungen, Daig uvm. werden unter anderem auch Maden aus der Stadt verdrängt. [siehe Basel-Nord, Altes Kinderspital, Dreispitz, Erlenmattquartier, etc.]. Maden aller Quartiere beginnen sich zu vereinigen und werden diese Entwicklungen nicht weiter akzeptieren.
  3. Made,
    blinde, fusslose Larve der Fliegen und vieler Stechwespen, gekennzeichnet durch das Fehlen einer Kopfkapsel und von echten Gliedmassen.
    Vorkommen
    Mitunter treten Maden in großen Mengen, insbesondere als «Madenteppich», auf. [siehe: Demonstration, Wohnprojekt, Volksküche, Universität, Veranstaltung, Kino, etc.]
    In diesen Madenteppichen reiben sich die Maden ständig aneinander, so dass zum einen spürbare Wärme und zum anderen ein hörbares Rauschen entsteht. [siehe: Konzert, Solidarität, Diskussion, Emotionalität, etc.]
    Entwicklung
    Aufgrund ihres aussergewöhnlichen Vorkommens und Lebenstils werden Maden als Ungeziefer bekämpft, in ihrer Entwicklung gehemmt und aus dem natürlichen Lebensraum Aller verdrängt. Als politische Wesen werden sie von herrschaftlichen Strukturen diskriminiert. [siehe: Terrorismus, gesunder Menschenverstand, Chaoten, etc.]
    Daig,
    Bezeichnung für die Stadtbasler Oberschicht, dank der Akkumulation ausserordentlichen Reichtums ursprünglich stark in den Wirtschaftsaktivitäten Basels verwurzelt, sind sie heute durch die Ansiedlung zugezogener Bank- und Chemiekonzerne in ihrer Einflussnahme bedroht.


    D’Made im Daig befreit leerstehende Häuser von ihrem tristen Dasein, um ihre Schleimspuren zu hinterlassen und um sich zu fliegenden Stechmücken entwickeln zu können. Wir möchten sehen lernen und sehen lehren. Wir bleiben nicht länger fusslos. Wir sind entschleunigt und entspannt, dynamisch und überzeugt, unsere Freude zu nutzen, um Freiraum mit neuen Inhalten zu füllen!

    D’Made im Daig steht für ein gutes Leben für alle.

Baslerstrasse 159 in Allschwil erfolglos besetzt

Bitte entschuldigt, dass es so lange gedauert hat. Wir konnten uns nach der Wettsteinvilla einfach nicht auf das nächste Haus einigen, es gibt zuviele ungenutzte Räumlichkeiten. Doch wir hatten uns entschieden:

Wir besetzten die Baslerstrasse 159 in Allschwil.

Das Gebäude steht bereits seit langem leer. Im Jahr 2007 gab es den letzten Besetzungsversuch. Seither hat sich mit dem Haus nichts getan – wunderbarer Wohnraum steht jahrelang ungenutzt da, wer ihn nutzen will, wird mit Polizeigewalt verjagt.

Wir wiederholen uns:
Seit Jahren verschwinden Freiräume und stattdessen schiessen Büroflächen und luxuriöse und individualisierte Wohnüberbauungen für die erwünschten «neuen Steuerzahler» und zugunsten der «sozialen Stadtaufwertung» aus dem Boden. Während 80 000 m2 Büroflächen leerstehen, fehlt es in der Region an bezahlbarem Wohnraum und selbstbestimmtem Freiraum für Jung und Alt.

Aus diesen Gründen nahmen wir uns das Haus an der Baslerstrasse 159. Wir wollten die Räume mit unseren Ideen füllen, einen Raum für die Entstehung einer autonomen Schule, einen Ort für Diskussionen, Film, Konzerte, selbstbestimmten Wohnraum und Platz für «Niedrigkultur».

Wir verurteilen die Praxis der Behörden, die Nutzung von leerstehenden Räumlichkeiten um jeden Preis zu verhindern.

Theaterprojekt «fremd» erhält Zwischennutzungsvertrag der Wettsteinvilla

Die Villa an der Wettsteinallee 40, die wir vor einem Monat besetzt haben, wird nun zwischengenutzt. Die Eigentümerin, die «Christoph Merian Stiftung», hat im Schnellverfahren eine Zwischennutzerin gesucht und im Jugendtheater-Projekt «fremd» gefunden. Das Theater wird sein Büro dort einrichten und in der Wettsteinvilla proben.

Offensichtlich hat die Stiftung Angst vor einer weiteren Besetzung. Obwohl sie im Frühling bereits einer Wohngemeinschaft gekündet hat und uns BesetzerInnen mit Polizei verjagt hat, suchte sie nun eine Zwischennutzung für das Gebäude. Eigentlich möchte sie die Villa an eine Privatperson verkaufen, was aber nicht funktioniert. Deshalb duldet sie nun eine dreimonatige (!) Zwischennutzung mit einem Theaterprojekt.

Die Christoph Merian Stiftung entscheidet, was Kultur ist und wer Raum dafür erhält. Wer nicht in ein konventionelles Bild von Kulturschaffenden passt, wird mit Polizei und Gericht verjagt. Das passt in eine Gesellschaft, in der aussortiert und verwaltet wird. Wer sich nicht anpasst, wer nicht den engen Vorgaben entspricht, wird verjagt, in «Integrationsprogramme» gesteckt, behandelt, eingesperrt.

Trotzdem freuen wir uns, dass dank dem Druck der Besetzung das Haus von einem Projekt genutzt werden kann, das auf kostengünstige Räumlichkeiten angewiesen ist.

Wettsteinvilla bereits wieder leer

Bereits heute Samstag hat der Eigentümer der Villa an der Wettsteinallee 40, die Christoph Merian Stiftung, ohne Verhandlungen mit sofortiger Räumung gedroht und die Polizei alarmiert. Wir haben daraufhin das Gebäude im letzten Moment friedlich verlassen.

Damit steht die grosse Villa wieder ungenutzt leer. Begründet wurde das kompromisslose Vorgehen der Stiftung unter anderem damit, dass das Haus noch vermietet sei – was korrekt ist, während Arbeitstagen wird ein (!) Raum der Villa als Baubüro genutzt. Dieser Nutzung wären wir nicht im Weg gestanden, das Gebäude ist gross genug.

Die Christoph Merian Stiftung charakterisiert sich auf ihrer Homepage so:

Die Aufgabe der Christoph Merian Stiftung ist es, sich für Menschen in Not, für eine gesunde Umwelt, für die Lebensqualität und die Kultur in Basel einzusetzen.

Wie sie das tun will, indem sie Häuser mit viel Potenzial leerstehen lässt und schliesslich an Private verkauft, bleibt uns ein Rätsel. Dass der Stiftung privatwirtschaftliche Interessen wichtiger sind als «Kultur in Basel» oder das Einsetzen für «Menschen in Not» hat sie heute bewiesen. Im Zweifelsfall droht die Stiftung, ihre profitorientierten Interessen ohne Verhandlungen mit polizeilichen Massnahmen durchzusetzen.

Wir sind zwar aus der Wettsteinvilla ausgezogen, doch wir haben nicht aufgegeben. Ihr werdet wieder von uns hören.

Besetzung der Villa an der Wettsteinallee 40

In diesem Moment besetzen wir die Villa an der Wettsteinallee 40.

Das Haus ist im Besitz der Christoph Merian Stiftung. Jahrzehntelang wurde es als Künstlerhaus betrieben und hat eine grössere Wohngemeinschaft beherbergt. Da das Haus laut der Christoph Merian Stiftung baufällig sei, soll es an eine Privatperson verkauft und teuer und aufwendig renoviert werden. Einmal mehr wird die Privatisierung eines zuvor halböffentlichen Raumes geplant.

Seit Jahren verschwinden Freiräume und stattdessen schiessen Büroflächen und luxuriöse Wohnüberbauungen für die erwünschten «neuen Steuerzahler» und zugunsten der «sozialen Stadtaufwertung» aus dem Boden. Während 80 000 m2 Büroflächen leerstehen, fehlt es in der Region an bezahlbarem Wohnraum und selbstbestimmtem Freiraum für Jung und Alt.

Aus diesen Gründen nehmen wir uns das Haus an der Wettsteinallee 40 zurück. Von der Stadt und den Institutionen wünschen wir uns nichts – wir nehmen uns den Raum, den wir brauchen.

Von nun an füllen wir die Räume mit unseren Ideen. Wir schaffen Raum für die Entstehung einer autonomen Schule, einen Ort für Diskussionen, Film, Konzerte, selbstbestimmten Wohnraum und Platz für «Niedrigkultur».

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„Mir bsetze“ – Urs Berger – 1980

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Mir bsetze – Die Geschichte eines Kampfes (Quartierfilmgruppe Kleinbasel, 1980), der zweite Teil über den Mieterkampf am Unteren Rheinweg und an der Florastrasse.

Urs Berger, mittlerweile einziges Mitglied der Quartierfilmgruppe, kehrte zwei Jahre nach einer Kündigungswelle zu den Bewohnern des Unteren Rheinwegs und der Florastrasse zurück und wollte wissen, was aus deren Widerstand geworden war. Die Mieterversammlung hatte im September 1977 eine zweijährige Mieterstreckung durchsetzen können, die bei Drehbeginn des Films im Juni 1979 ablief. Ausführlich und anschaulich schildert der Film nun die letzte Phase des hartnäckigen Mie- terkampfs – vom Sammeln der Unterschriften für die «Solidarisierungserklärung» bis zur polizeilichen Räumung der besetzten Wohnhäuser.
Der Film ist inhaltlich und formal komplexer als seine Vorgänger. Die mit Texttafeln und einer Art «Besetzerhymne» gerahmten reportageartigen Aufnahmen und Interviewszenen dokumentieren akribisch den Verlauf der Mieterbewegung und verleihen dem Film eine Modellhaftig- keit, die an Brechts episches Theater erinnert. Auf der Grenze zwischen Reflexion und Agitation problematisiert Mir bsetze die Basler Wohnungs- und Stadtpolitik. Wir sehen Interviews mit (ehemaligen) Bewohnern und Vertretern der Mieterversammlung, hören Stellungnahmen von Regierungsräten, werden in die damalige Gesetzeslage des Basler Bauwesens eingeführt und zu Zeugen zahlreicher Protestaktionen. Von etwas distanziert und steif wirkenden Interviewszenen tauchen wir immer wieder ruck- beziehungsweise schnittartig ein in die Welt der Basler Hausbeset- zer: Hinter langhaarigen Menschen mit Schlaghosen und «Flüstertüten» folgen wir den Mieteraktivisten durch die Innenstadt, sind bei den anderen Demonstranten, die auf dem Basler Marktplatz vor der Bühne des Aktionstheaters über die «Opfer vo de Hüüserspekulation» knien, oder bei den rauchenden Mietern im Garten, die auf Klappstühlen Parolen auf Plakate pinseln, während verstrubbelte Kinder mit neugierigem Blick in die Kamera schielen.
In Bergers Quartierfilmen spiegelt der Blick der Kamera den Blick des Aktivisten. Die Zuschauer werden zu Komplizen im Kampf gegen Wohnungsnot und Häuserspekulation, selbst wenn oder erst recht wenn die Kamera ihnen die Sicht auf dieses Geschehen versperrt – wie beispielsweise in der Sequenz der Podiumsdiskussion im Bernoullianum zu Beginn des Films. Hier bleiben Kamera und Zuschauer draussen vor der Tür. Was sich drinnen in den Reihen der versammelten Regierungsräte und Parteimitglieder abspielt, ist lediglich zu hören, nicht zu sehen, denn das Licht in den Sälen reichte nicht aus für die Super-8-Linse. Standfotos und Pressebilder, Zeitungsartikel und Texttafeln ersetzen die Filmaufnahmen, während wir erfahren, wie sich Regierungsräte und der Liegen- schaftsverwalter aus der Affäre ziehen wollen.
Ähnlich aufgebaut ist die Sequenz, in der es um die polizeiliche Auflösung der Aktion «Mir schloofe dusse» geht. Um zu demonstrieren, was den 160 Mietern durch die Kündigungen droht, organisierten die Mieteraktion Basel zusammen mit der Mieterversammlung Florastrasse ein «Sleep-out» auf dem Marktplatz, das von der Polizei unangemessen hart aufgelöst wurde. Wieder war es zu dunkel, um das Vorgehen der Polizei filmen zu können, und wieder sehen wir anstelle der Filmaufnahmen Schlagzeilen und Pressefotos. Die Rufe und Pfiffe der Demonstranten aus dem Off, die aus ihrem friedlichen Marktplatzschlaf gerissen werden («he, ufhöre!»), und die deutlichen Geräusche eines Handgemenges steigern die Szene ins Dramatische und übertragen die Empörung der Demonstranten aufs Publikum.

Container
.m4v | 60m | 1021 MB

Video
x264 | 2182Kbps | 696 x 574 Pixel

Sound
Stereo | AAC | 171Kbps | VBR

Mirror 1
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