Archiv der Kategorie: Aktionen

Eine «illegale» Party

Folgender Flyer ist am 31. Juli 2011 an der Party auf der Dreirosenbrücke verteilt worden

Ihr befindet euch hier an einer illegalen Party. Illegale Partys mögen zwar ziemlich cool und häufig wie irgend eine kommerzielle Party wirken, doch es gibt einige Unterschiede:

Hier ist nichts professionell gebaut und durchgeplant worden. Hier ist kein Ort, an dem der eine Konsument und der andere Produzent sein soll. Illegale Partys können nur so viel Spass machen, wenn sich jeder beteiligt, mithilft, Verantwortung übernimmt. Dies betrifft auch den Umgang mit der Polizei, sollte sie aufkreuzen und den Anlass mit fadenscheinigen Begründungen beenden wollen.
Nur soviel dazu: Es ist nicht in Ordnung, dass die Staatsgewalt unsere nächtlichen Zusammenkünfte auflöst.
Deswegen schlagen wir vor:

  • Behindert die Polizei. Steht im Weg rum, labert sie blöd an.
  • Sichert die Anlage. Schaut, dass Leute die Anlage wegschaffen können, bevor die Polizei an sie rankommt.
  • Wenn ihr euch dazu in der Lage fühlt: Geht in die Offensive. Schaut, dass die Party weiterlaufen kann, ohne noch mal von der Polizei belästigt zu werden.

Wichtig: Bei Kontakt mit der Polizei

Sollte es doch zu grösseren Problemen mit der Polizei kommen, hier einige Tipps:

  • Solltet ihr von der Polizei mitgenommen werden, schaut, dass euch Umstehende sehen und wissen, dass ihr verhaftet wurdet.
  • Ihr müsst folgende Angaben machen: Name, Vorname, Meldeadresse, Heimatort, Geburtsdatum, Name der Eltern, Beruf. Sonst nichts!
  • Ansonsten: Verweigert die Aussage! Lasst euch nicht auf Diskussionen ein! Mit der Polizei zu sprechen gefährdet nur euch und eure Freund_innen. Ihr habt das Recht auf Aussageverweigerung. Dies darf nicht gegen euch verwendet werden, egal was sie euch erzählen.
  • Lasst euch nicht unter Druck setzen! Unterschreibt nichts!
  • Wenn sie euch wieder rauslassen: Meldet euch bei euren Freund_innen und redet über eure Erlebnisse.

Schaut zu euch und euren Freund_innen!

Einige Partybesucher_innen und -organisator_innen.

S Wasser stoht uns bis zum Hals, d Freyrüüm göhn dr Bach ab!

 

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Mit Booten, Schwimmring etc. den Rhein als Freiraum nutzen und auf die Situation in der Stadt Basel aufmerksam machen. Seid kreativ, lasst euch nicht einschüchtern und versucht euch zu organisieren!

Programm 31. Juli 2011

16 Uhr Treffen im Solitude
17 Uhr Grosses „alternatives Rheinschwimmen“ bis zur Dreirosenbrücke

Alternative Lebensformen werden mit Füssen getreten oder aber schnellstmöglich von Polizisten in Kampfmontur geräumt, wenn mensch ohne kommerziellen Gedanken Feste und Partys veranstaltet, wird munter fichiert und beschlagnahmt, die Innenstadt wird gesäubert und geputzt und in vielen Quartieren verstellen Neubauten von Spekulanten und Grossinvestoren den Blick zur Sonne!

Freiraum findet im Denken der Politiker und Entscheidungsträger nur in reglementierten und kommerziellen Räumen statt! Dabei bedeutet es weit mehr als nur Flächen und Gebäude nutzbar zu erhalten, es ist auch nicht gleichbedeutend mit einer Zwischennutzung. Wir werden der Verwertungslogik trotzen und wollen ein selbstbestimmtes Leben führen! Für eine alternative Zukunft mit autonomen Strukturen!

STADT FÜR ALLE!

Besetzung am Steinengraben 32 und 34 beendet

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Gestern um 16 Uhr besetzten wir zwei leerstehende Wohnhäuser am Steinengraben, gegenüber dem nach vier Jahren noch immer leerstehenden (ehemals besetzten) Hotel Steinengraben. Kurz nach der Besetzung waren die Gebäude von der Polizei umstellt, ohne dass eine Anzeige vorlag. Die anwesenden PolizistInnen fielen durch ein sehr aggressives Verhalten auf.

Als ein Vertreter der „Nationale Suisse“ eintraf, ermöglichte ein Mediator ein Gespräch. Bei diesem wurde in keinster Weise auf unsere Verhandlungsbereitschaft eingegangen, die „Nationale Suisse“ erstattete im Anschluss Anzeige und die Polizei kündigte die Räumung an. Der anwesende Einsatzleiter der Polizei schien die Lage und sich selbst nicht ganz unter Kontrolle zu haben, was sich in einem auffallend aggressiven und cholerischen Verhalten äusserte.

Wir entschieden uns in dieser Situation, die Häuser gemeinsam zu verlassen, da wir keine Möglichkeit sahen, eine Räumung zu verhindern. Die Polizei pocht seit Jahren auf eine schnelle Räumung von besetzten Gebäuden, was uns zunehmend wütender macht. Die einzig tolerierten Formen scheinen Partybesetzungen und reglementierte, kommerzialisierte „Freiräume“ zu sein. Alles, was auf eine längerfristige und selbstbestimmte Nutzung abzielt, wird nicht geduldet. An dieser Stelle entlarvt sich das angebliche Verständnis von Politik und Medien für unser Bedürfnis nach Freiräumen als Heuchelei.
Wir kommen wieder.

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XX34: Kein Abriss unter dieser Nummer!

Heute haben wir die Häuser am Steinengraben 32 und 34 besetzt. Die Häuser stehen seit Anfang Jahr leer und sollen in ferner Zukunft einem Neubau weichen.

Egal in welche Richtung man blickt, die aktuelle Brisanz des Themas sozialer und kultureller Freiräume lässt sich nicht mehr leugnen: Der Widerstand gegen die vom Abriss bedrohten Häuser an der Wasserstrasse, die vorzeitig beendete Besetzung des ehemaligen Kinderspitals oder die spontane Aneignung der Voltamatte zeigen, dass immer mehr BewohnerInnen von Basel die Stadtentwicklung in die eigenen Hände nehmen und versuchen, Raum nach ihren Interessen und Bedürfnissen zu gestalten.
Wir sehen uns als Teil dieses Prozesses und haben deshalb die Häuser am Steinengraben 32 und 34 wiederbelebt. Sie befinden sich im Besitz der Nationalversicherung und stehen seit Anfang Jahr leer. Die Zukunft der Häuser ist ungewiss. Fest steht, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis ein Bauvorhaben umgesetzt werden kann und dass sich dieses mit Sicherheit hauptsächlich an Kapitalinteressen orientieren wird. Wie sonst ist es zu erklären, dass gut erhaltene Altbauten abgerissen und durch überflüssige Bürogebäude oder überteuerte Wohnblöcke ersetzt werden?
Unsere neuen Häuser stehen an geschichtsträchtiger Lage: Genau gegenüber befindet sich das Hotel Steinengraben, das am 1. Mai 2007 besetzt worden war. Das Hotel steht symbolisch für den Umgang der Stadt mit potentiellen Freiräumen: Unter fadenscheinigen Vorwänden wurde damals eine polizeiliche Räumung wenige Tage nach der Besetzung durchgesetzt. Um eine erneute Belebung dieses toten Ortes ausserhalb der städtischen Kontrolle zu verhindern, wurden im Anschluss die Fenster zugemauert und das Innere des Hauses zerstört. Jetzt, mehr als vier Jahre nach der Räumung, steht das Gebäude noch immer leer. Das bestärkt uns in unseren Absichten, den rhetorischen Kunststücken und den leeren Versprechen der Stadt keinen Glauben zu schenken. Wir und andere haben keine Lust, in die Randbezirke oder in die Agglomeration verdrängt zu werden, wir sind genauso Teil dieser Stadt und haben uns entschlossen, uns dieser lebensfeindlichen Stimmung entgegenzustellen, Position zu beziehen, offensiv zu werden. Daran ändern auch die Beschwichtigungsversuche von Thomas Kessler, dem Repräsentanten der Basler Stadtentwicklung, nichts. Das Bedürfnis nach zentral gelegenen Freiräumen könne bereits befriedigt werden, sofern die „historisch mentalen Grenzen“1 der Stadt ausgeweitet würden, so Kessler. Anders formuliert: Das Zentrum von Basel liege nicht in der Innenstadt, sondern in der Peripherie — laut Kessler in verlassenen Industriekomplexen im Elsass, auf dem kommerziell reorganisierten Dreispitzareal oder auf dem nt-Gelände mit seinen überteuerten Partylokalen. In kaum zu übertreffender Deutlichkeit veranschaulichen solche Aussagen den Versuch einer Politik von oben, sich die Definitionsmacht punkto Freiräume anzueignen.2 Was ist ein Freiraum? Wer bestimmt, wo und wie ein Freiraum zu sein hat? Nach welchen Kriterien? Welche Macht- und Kapitalinteressen sind damit verbunden?
Was wir wollen, sind unkontrollierte und unkontrollierbare Räume, die — soweit möglich — fernab eines kommerzialisierten und normierten Rahmens bestehen und sich entwickeln können. Räume, in denen wir versuchen, dem Begriff Freiheit eine neue Bedeutung zu verleihen. Die Tatsache, dass wir einen Grossteil unseres Lebens in unseren Wohnungen bzw. unseren Häusern verbringen, veranschaulicht die immense Bedeutung dieser Räumlichkeiten. So wünschen, suchen und nehmen wir uns Orte, an denen wir gemeinsam leben können; die als soziale Treffpunkte dienen; die Möglichkeiten zum Austausch von Ideen, Träumen, Freuden, Sorgen und zur Vernetzung schaffen. Und die uns als Rückzugsorte zur Verfügung stehen, an denen wir voneinander aufgefangen werden, wenn es die Situation erfordert.
Die InitiatorInnen dieser Besetzung sind keine Einheit, keine gleichgeschaltete Gruppe, deren Differenzen vernichtet wurden, sondern ein offenes und undefinierbares „Wir“, das versucht, sich gemeinsam zu organisieren und gemeinsam Verantwortung für sich selbst zu übernehmen — sei es im Haus oder in den Projekten, die in den neuen Räumen entstehen können. Auch Wohnhäuser können problemlos mit einem öffentlichen Gemeinschaftsraum, einer Kneipe, Werkstätten, Ateliers, einem Sportraum, einem Konzertkeller und/oder einem Bandraum ausgestattet werden, ein Garten böte zudem Platz für eigenes Gemüse. Die Grenzen der Kreativität und der Selbstbestimmung sind lediglich materieller Natur.
Im Gedanken der Offenheit gegenüber den Interessen und Bedürfnissen der AnwohnerInnen und anderen BewohnerInnen dieser Stadt ist es uns ein Anliegen, uns nicht zu isolieren, kein weiteres Ghetto einer Pseudo-Alternativkultur zu errichten. Wir verstehen unsere Intervention als Aufgabe und Chance zugleich, dem fortschreitenden Prozess der Entsolidarisierung, Vereinzelung und kulturellen Verarmung etwas entgegenzusetzen. Nicht nur für einige wenige, sondern für alle, die heute nach emanzipatorischen Alternativen suchen.

Wir sind hier, wir lassen uns nicht verdrängen und wir wollen damit alle einladen, es uns gleich zu tun. Und wir öffnen die Türen, um die Räume dahinter mit Leben zu füllen, Raum zu schenken. In einem solchen Klima der Vielfalt sollen verschiedene Bedürfnisse ihren Platz finden und sich entfalten können, um schliesslich zu einem Ort der Bereicherung zu werden.

xx34squat@gmail.com

Räumung an der Wasserstrasse 31

Räumung Wasserstrasse 31

Mittwoch Morgen früh um ca. 5.00 Uhr wurde die Wohnung an der Wasserstrasse 31 geräumt. Die Polizei kam mit einem grotesken Aufgebot: Um die zehn Polizeiwagen fuhren an mit ca. 40 PolizistInnen in Vollmontur, welche die ganze Strasse absperrten und ins Haus eindrangen. Die Wohnungstür wurde aufgebrochen und 15 PolizistInnen durchsuchten die Wohnung. Dabei wurden zwei Personen festgenommen.
Wir halten daran fest, dass die für die Räumung angegebenen Gründe scheinheilig sind. Die Wohnungen an der Wasserstrasse standen leer, bis der Immobilien Basel klar wurde, dass hier Leute ein nachhaltiges Interesse an diesen Häusern haben. Daraufhin wurden die Wohnungen plötzlich aufgrund eines „akuten Bedarfs“ von der Sozialhilfe beansprucht. Wir wollen bedürftigen Menschen keinesfalls das Recht auf eine Wohnung absprechen. Gleichzeitig ist es für uns aber offensichtlich, dass hier eine Instrumentalisierung der Sozialhilfe vorliegt, mit der die Stadt ihre Interessen in der Wasserstrasse durchsetzen will.
Wir bedauern, dass die Immobilien Basel auf unsere Kommunikationsversuche nicht reagiert hat.

WG 31, auf Wohnungssuche

Wohnung an der Wasserstrasse 31 besetzt – Räumung angedroht

 

thumb-82176Letzten Dienstag am 7. Juni ist an der Wasserstrasse 31 eine leere Wohnung besetzt worden. Die Häuser in der Wasserstrasse gehören der Stadt und werden von Immobasel verwaltet. Wir fordern von den Eigentümern nichts Unmögliches, bloss einen Miet- oder Zwischennutzungsvertrag bis zum Abriss der Häuser oder zur Übergabe an eine Genossenschaft.

Wir sind nicht bereit, die teuren Mieten der Wohnungen auf dem Markt in Basel zu bezahlen. Wir wollen in diesen Häusern mit einem tiefen Standard und bezahlbaren Mieten leben. Überall sonst wird billiger Wohnraum zerstört, abgerissen und überbaut. Hier ist er noch vorhanden und soll erhalten bleiben. Insofern stehen wir hinter dem Versuch des Vereins Wasserstrasse, der sich für den Erhalt der Häuser auf legalem Weg einsetzt.

Üblicherweise werden leer werdende Wohnungen in der Wasserstrasse der Sozialhilfe abgegeben. Wir wehren uns gegen diese Taktik der Stadt, die Sozialhilfe zu intrumentalisieren, um den Widerstand gegen den Abriss der Häuser zu schwächen.

Ein Gespräch mit Herr Kressler und Frau Neidhart von Immobasel hat gezeigt, dass wir mit keinerlei Entgegenkommen von Seiten der Eigentümer rechnen können. Stattdessen haben die Besetzer_innen von der Stadt ein Ultimatum erhalten – Bis Sonntag, 19. Juni um 24 Uhr muss die Wohnung verlassen werden. Nicht ohne Grund ist der Räumungstermin exakt nach dem Quartierspaziergang angesagt worden.

Wir werden die Wohnung nicht freiwillig verlassen. Haltet Augen und Ohren offen!

Die Bewohner_innen der WG31
wg31@hotmail.ch

Basel Nord wird trockengelegt – Fluten wir zurück

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Eine lebendige Stadt. Eine Stadt, mit der die Menschen wachsen. Eine Stadt, die nicht bis ins letzte Detail durchgeplant und verwaltet ist, sondern Unerwartetes ermöglicht. Eine Stadt, die nicht bloss als Kulisse zur Selbstdarstellung der Architekt_innen dient, sondern von uns allen gestaltet wird. Eine Stadt, die nicht rentieren muss, sondern für uns alle da ist. Eine Stadt, in der wir Versteckis spielen können. Eine Stadt, in der wir uns weniger isoliert, beobachtet und ängstlich fühlen. Eine Stadt, in der Probleme nicht verwaltet und delegiert werden, sondern von uns selbst angegangen werden. Eine Stadt, die langsamer ist, die günstiger ist, die unberechenbarer ist.

Aus unseren immer mehr verwalteten Leben in einer uns immer fremder werdenden Stadt suchen wir die Orte, Stimmungen und Situationen, die unserem Tempo entsprechen, die uns zum Verweilen und tätig werden einladen.

Kommt alle an den grossen Quartierspaziergang, wo wir uns unsere Erfahrungen, unser Wissen und unsere Wünsche gegenseitig erzählen können. Schauen wir uns die Misere im Kleinbasel und im St. Johann doch einmal gemeinsam an.

Voltamatte in Basel wird belebt

Seit letztem Wochenende ist Leben auf dem Park zwischen dem Novartis Campus, den Neubauten an der Voltastrasse und den alten Häuser von Elsässer-, Kraft-, Licht- und Wasserstrasse eingekehrt. Es wird grilliert, gespielt, gebaut, Musik gehört, diskutiert, informiert, geliebt und sobald sich die Nacht über die Stadt legt, wird die Leinwand aufgehängt und Filme gezeigt. Eine kleine Chronologie.

Letzten Samstag, 21. Mai haben sich einige Anwohner_innen der Voltamatte getroffen, um gemeinsam einen Turm auf dem neu asphaltierten Voltaplatz zu bauen. Der Turm sollte ein Symbol, ein Mahnmal sein, von welchem über die gentrifizierte „Todeszone“ der Voltastrasse entlang und zum Zaun der „Verbotenen Stadt“ Novartis Campus geschaut werden kann. Das Gebiet, das im Zuge des Baus der Nordtangente, einer teils unterirdisch geführten Stadtumfahrungsautobahn eine starke „Aufwertung“ erfährt, ist schon länger Ort von Auseinandersetzungen um Gentrifizierung und damit zusammenhängender Verdrängung. Sei es wegen der ehemaligen Besetzungen in der Voltastrasse und dem „Elsie“, sei es wegen den langfristig anhaltenden militanten Aktionen gegen die Neubauten zwischen Volta- und Vogesenplatz, sei es wegen der bedrohten Häuserzeile an der Wasserstrasse, wo ein Verein aus Bewohner_innen versucht, die dem Abriss geweihten Häuser zu retten und selbstverwaltet weiterzuführen. (www.wasserstrasse.ch)
Nach dem Bau des Turmes trafen sich Anwohner_innen, es gab eine kleine Küche und Crêpes, später ein Konzert, bis in den späten Abend waren wir auf der Voltamatte, die wir ansonsten bestenfalls halbjährlich für konspirative Treffen nutzen.

Am Sonntag 22. Mai kam es auf der nächstgelegenen Rheinbrücke zu einer grossen, heftigen Wasserschlacht: Voll ausgerüstet zog man in den Kampf gegen die jeweils andere Rheinseite. Mehrere tausend Wasserballone flogen durch die heisse Sommerluft, es war ein Riesenspass! Auch danach fanden wir uns wieder auf der Voltamatte ein, belebten den am vorigen Tag gebauten Turm und zeigten einen Film. Langsam scheint sich abzuzeichnen, was niemand von uns erwartet hätte: Aus einem Aktionstag einiger Anwohner_innen scheint sich etwas zu entwickeln.

Montags wurde dann entschieden, die ganze Woche zu bleiben. Ein Programm ist aufgestellt worden, der Turm ist nun grösser geworden. Erste Leute verbringen ihre Nacht auf der Voltamatte, eine – ohne vorherige Planung – Platzbesetzung zeichnet sich ab. Einen Organisator gibt es bis heute nicht, dafür umso mehr Vielfältigkeit, Spontanität und lebenswerte Momente.

Alle sind eingeladen, ihre Zeit mit uns auf der Voltamatte zu verbringen. Wir wollen mit euch diskutieren, über die Verdrängung aus unseren alten Quartieren, über die Erfahrungen mit der Grossbesetzung des Alten Kinderspitals, der Verteidigung der Häuserzeile an der Wasserstrasse, der Off-Bar, dem Wunsch nach günstigem Wohnraum und lebendigem Freiraum und sowieso darüber, was das mit unserer Gesellschaft und dem Wirtschats- und Politsystem zu tun haben könnte.

Kommt vorbei! Bis Freitag sind wir sicher noch da: Infos, Diskussion, Grill, Musik, Spiel etc…

Netzwerk „DeRIVAt“ besetzt altes Kinderspital

Seit zwei Wochen steht das alte Kinderspital in Basel endgültig leer. Auf dem Areal ist eine Wohnüberbauung vorgesehen, die aber noch in der Planungsphase steckt – es ist mit mehreren Jahren bis zum effektiven Baubeginn zu rechnen. Es ist unklar, ob der Gebäudekomplex schon bald abgerissen wird oder noch lange leer steht. Klar ist aber, dass die bis Baubeginn brachliegenden Ressourcen ungenutzt bleiben sollen. Der Kanton Basel-Stadt, Eigentümer des Grundstücks, bemüht sich krampfhaft eine sinnvolle Zwischennutzung der Gebäude zu verhindern: Das Areal wurde verbarrikadiert und die Infrastruktur teilweise zerstört.
Wir halten diese Verhinderungspolitik für unsinnig und haben uns deshalb zu einem Aktionsnetzwerk zusammengeschlossen, um vor Ort zu intervenieren und eine alternative Nutzung der bestens erhaltenen Räumlichkeiten vorzuschlagen. Mit der kreativen Aneignung fordern wir, das alte Kinderspital einer freien Umnutzung für Kunst und Kultur zu öffnen, solange kein sinnvolles Neubauprojekt realisiert wird. Mit der Intervention wollen wir auch die Basler Stadtentwicklungspolitik kritisieren, welche sich primär nach ökonomischen Kriterien richtet statt nach den Bedürfnissen der BewohnerInnen dieser Stadt. Ihre Folgen zeigen sich aktuell beispielsweise an der Wasserstrasse, wo die Bewohnerschaft einer ganzen Häuserzeile verdrängt werden soll.

Mehr zur Argumentation für unser Projekt finden Sie im angehängten Grundsatzpapier. Neuigkeiten werden wir möglichst zeitnah per E-Mail und auf unserer Website publizieren. Erstes Bild- und Tonmaterial finden Sie in der aufgezeichneten Pressekonferenz.
Wir freuen uns über Ihre Berichterstattung und laden Sie herzlich zum Besuch ein. Wir bitten alle Medien, die informationelle Selbstbestimmung der Beteiligten vor Ort zu achten. Das heisst, keine Aufzeichnungen irgendwelcher Art ohne vorherige Absprache mit den Betroffenen und eindeutige Deklaration des Zweckes. Medienschaffende, die uns besuchen, bitten wir um eine Anmeldung beim Infodesk.

New Kids On The Blockrandbebauung

deRIVAt im alten Kinderspital

Die Ökonomisierung der Gesellschaft im Neoliberalismus betrifft wie alle Lebensbereiche auch die Produktion des städtischen Raumes. Nicht nur Verteilung und Zugänglichkeit von Wohnraum unterliegen ökonomischen Kriterien; öffentliche Räume werden privatisiert und auch die Verfügbarkeit von Räumen für Kunst und Kultur ist einer Logik der kommerziellen Verwertbarkeit unterworfen. Für die »unternehmerische Stadt« haben Stadtentwicklung und Kulturpolitik vor allem den Zweck der Standortaufwertung. Die Bedürfnisse ihrer Bewohnerinnen werden je nach Steuer- und Produktivkraft wahrgenommen oder eben nicht.
Freiräume gibt es auch in Basel viel zu wenige; weil sie nicht bezahlbar sind oder von der städtischen Bürokratie verdrängt werden. Doch Freiräume sind essentiell für Kunst und Kultur – letztlich für das Leben in der Stadt überhaupt. Freiräume sind offen gegenüber den selbstbestimmten Bedürfnissen ihrer Nutzer. Sie erlauben eine autonome künstlerische Praxis, die nicht von ihrer Verkäuflichkeit abhängig ist. Das Problem ist nicht, dass die Räume materiell nicht vorhanden wären, sondern die gesellschaftliche Ungleichheit ihrer Verteilung. Eine Möglichkeit, die Unvernunft dieser Verteilung zu durchbrechen, ist die Neu- und Zwischennutzung von ungenutzten Infrastrukturen. Wenn uns unsere Stadt die notwendigen Freiräume nicht bieten kann, dann müssen wir sie uns selbst aneignen.
Mit der Umzonung des Areals des alten Kinderspitals und der Abgabe im Baurecht wird einmal mehr städtischer Raum an private, gewinnorientierte Interessen verausgabt. Die bestens erhaltene Bausubstanz soll abgerissen werden, um einer weiteren sterilen Überbauung mit hochpreisigen Wohnungen »in bester Lage« Platz zu machen. Das Projekt ist in verschiedenster Hinsicht zu kritisieren. Es ist Teil einer städtischen Aufwertungspolitik, die sich primär für gute Steuerzahler interessiert und an einem attraktiven Image für Kapital und Tourismus bastelt. Die Stadt wird so zum Wirtschaftsstandort umgebaut, der sich mit schicken Wohnungen und tollen Konsumangeboten vermarktet. Die Verdrängung von Einkommensschwachen an die Peripherien und die Privatisierung von öffentlichen Räumen sind nur die offensichtlichsten Folgen. Warum aufwändig neue Häuser bauen, wenn die alten sinnvoll nutzbar wären?
Mit unserer Intervention wollen wir Basel, das sich als attraktive und investorenfreundliche Kulturstadt profilieren möchte, daran erinnern, dass seine Kulturproduzentinnen auch Bedürfnisse haben und sich nicht in wertvolle, subventionierte Kunst und den lästigen, unproduktiven Rest spalten lassen. Kunst und Kultur finden auch ausserhalb des »Opernhaus des Jahres« statt. Wir sind Menschen, die in Basel leben, arbeiten, kulturell und künstlerisch tätig sind. Wir sind keine definierbare Gruppe, sondern eine Ansammlung von prekären Subjekten, deren Anliegen es ist, die kollektiven Bedingungen zur Ermöglichung ihrer Selbstbestimmung herzustellen. Wir wollen keine Kulturwaren produzieren, sondern verstehen unsere Praxis auch als politische Auseinandersetzung mit dem Zusammenleben in der Stadt und Gesellschaft, für welche die herrschenden Verhältnisse allen Anlass geben. Wesentlich dafür ist die Forderung nach Freiräumen, die unsere Aktion artikuliert, es will aber nicht dabei stehen bleiben und formuliert grundsätzlichen Widerspruch gegen den Unsinn der neoliberalen Stadtverwüstung und ihre ausschliessenden Konsequenzen.
Unser gemeinsamer Nenner ist nicht ein politisches Programm, sondern das Engagement für ein Recht auf Stadt. Dieses würde die Bedürfnisse aller, mit denen wir Basel teilen, wahrnehmen und berücksichtigen. Denn wir bestimmen gerne selbst, was wir für unsere Bedürfnisse und ein gutes Leben halten. Eine lebendige Stadt wäre ein Ort der Auseinandersetzung und Vermittlung von widersprüchlichen Subjektivitäten. Deshalb kann eine emanzipatorische Stadtentwicklung nur ein kollektiver und horizontaler Prozess der Beteiligung und Aushandlung sein, nicht eine Politik von oben zur Konfliktverwaltung und Durchsetzung von Kapitalinteressen.
Wir verstehen unsere Aktion als Experiment und Form der radikaldemokratischen Intervention und Partizipation. Wir wollen damit unsere Bedürfnisse und deren Legitimität sichtbar machen. Das kann nur gelingen, wenn wir die Verstrickungen unserer eigenen Praxis reflektieren und vermitteln. Freiräume werden nicht durch Barrikaden geschaffen, sondern durch die Öffnung von privatisierten Räumen. Unser Ziel ist es, eine breite, unvoreingenommene Beteiligung von verschiedensten Akteuren anzustossen, die in selbstverwaltete Projekte münden soll, was nur durch die Bereitschaft zu Dialog und Kooperation mit allen Betroffenen erreicht werden kann.
Durch unsere Aneignung werden neue Räume geöffnet, die wir umgehend nutzen und bespielen wollen mit selbstdefinierten Inhalten, worin sich unsere Forderungen ausdrücken können. Neben dem Akt der Aneignung und der Öffentlichkeitsarbeit vermittelt sich unser Projekt vor allem durch die spontane Aktion vor Ort. Sie ist soziale Plastik, kollektive Wunschproduktion und politisches Labor für Utopien. Es entsteht Raum für Kunst und Kultur, die ihre Relevanz und Notwendigkeit aus sich selbst begründen, unabhängig von Marktwert, Mäzenentum und identitärer Politik der Distinktion. Vielleicht bietet die unkonventionelle Situation eine Möglichkeit, der Flüchtigkeit und dem Verwertungsdruck in der Kulturindustrie für einen Moment zu entkommen? Wie liesse sich eine von uns abgetrennte und entfremdete Stadt des Spektakels wieder erfahrbar machen? Die Herausforderung besteht darin, im entstehenden Raum improvisierend etwas zu entwickeln, was unsere Forderungen irgendwie repräsentieren oder zugänglich machen kann. Ästhetisch sind der künstlerischen Arbeit dabei keine institutionalisierte Grenzen gesetzt, diese werden formal einzig durch den Charakter der Aktion und die ausgelösten Reaktionen gezogen. Die Auflösung von Grenzen und Kategorien reflektiert auch die gesellschaftliche Produktion des Raumes und die herrschenden Bedingungen einer Kulturproduktion, die zunehmend zur Ästhetisierung der spektakulären Warenwelt instrumentalisiert wird. Der Wert des Entstehenden liegt denn auch weniger im Produkt als im Prozess des sozialen und künstlerischen Experiments. Am Samstag wird eingerichtet und es gibt Musik. Am Sonntag soll das Haus mit Brunch eröffnet werden. Das Projekt dauert solange wie notwendig und die Umstände es zulassen – sein Verlauf bleibt unbestimmt.
Das vorliegende Papier stellt den pragmatischen Konsens unseres informellen Projektnetzwerks dar. Es dient der internen und externen Verständigung und als Basis für die gemeinsam getragene Durchführung und weitere Entscheidungsfindung – davon abgesehen sind die einzelnen Akteure autonom in der Gestaltung. Planung und Koordination des Projekts werden von den Beteiligten durch egalitäre Formen der kollektiven Vermittlung ausgetragen.

  • Kein Leerstand/Abriss des alten Kinderspitals – ein selbstverwaltetes Projekt für Viele anstelle von Luxusüberbauung und Investmentprofite für Wenige!
  • Wir fordern Freiräume, für Kunst und Kultur, die gegenüber den selbstbestimmten Bedürfnissen ihrer Gestalterinnen und Nutzer offen sind und deren freie Entfaltung ermöglichen!
  • Für eine emanzipatorische Aneignung der Stadt jenseits von ökonomischer Verwertungslogik und simulierter Partizipation – für ein Recht auf Stadt!

Baslerstrasse 159 in Allschwil erfolglos besetzt

Bitte entschuldigt, dass es so lange gedauert hat. Wir konnten uns nach der Wettsteinvilla einfach nicht auf das nächste Haus einigen, es gibt zuviele ungenutzte Räumlichkeiten. Doch wir hatten uns entschieden:

Wir besetzten die Baslerstrasse 159 in Allschwil.

Das Gebäude steht bereits seit langem leer. Im Jahr 2007 gab es den letzten Besetzungsversuch. Seither hat sich mit dem Haus nichts getan – wunderbarer Wohnraum steht jahrelang ungenutzt da, wer ihn nutzen will, wird mit Polizeigewalt verjagt.

Wir wiederholen uns:
Seit Jahren verschwinden Freiräume und stattdessen schiessen Büroflächen und luxuriöse und individualisierte Wohnüberbauungen für die erwünschten «neuen Steuerzahler» und zugunsten der «sozialen Stadtaufwertung» aus dem Boden. Während 80 000 m2 Büroflächen leerstehen, fehlt es in der Region an bezahlbarem Wohnraum und selbstbestimmtem Freiraum für Jung und Alt.

Aus diesen Gründen nahmen wir uns das Haus an der Baslerstrasse 159. Wir wollten die Räume mit unseren Ideen füllen, einen Raum für die Entstehung einer autonomen Schule, einen Ort für Diskussionen, Film, Konzerte, selbstbestimmten Wohnraum und Platz für «Niedrigkultur».

Wir verurteilen die Praxis der Behörden, die Nutzung von leerstehenden Räumlichkeiten um jeden Preis zu verhindern.

Theaterprojekt «fremd» erhält Zwischennutzungsvertrag der Wettsteinvilla

Die Villa an der Wettsteinallee 40, die wir vor einem Monat besetzt haben, wird nun zwischengenutzt. Die Eigentümerin, die «Christoph Merian Stiftung», hat im Schnellverfahren eine Zwischennutzerin gesucht und im Jugendtheater-Projekt «fremd» gefunden. Das Theater wird sein Büro dort einrichten und in der Wettsteinvilla proben.

Offensichtlich hat die Stiftung Angst vor einer weiteren Besetzung. Obwohl sie im Frühling bereits einer Wohngemeinschaft gekündet hat und uns BesetzerInnen mit Polizei verjagt hat, suchte sie nun eine Zwischennutzung für das Gebäude. Eigentlich möchte sie die Villa an eine Privatperson verkaufen, was aber nicht funktioniert. Deshalb duldet sie nun eine dreimonatige (!) Zwischennutzung mit einem Theaterprojekt.

Die Christoph Merian Stiftung entscheidet, was Kultur ist und wer Raum dafür erhält. Wer nicht in ein konventionelles Bild von Kulturschaffenden passt, wird mit Polizei und Gericht verjagt. Das passt in eine Gesellschaft, in der aussortiert und verwaltet wird. Wer sich nicht anpasst, wer nicht den engen Vorgaben entspricht, wird verjagt, in «Integrationsprogramme» gesteckt, behandelt, eingesperrt.

Trotzdem freuen wir uns, dass dank dem Druck der Besetzung das Haus von einem Projekt genutzt werden kann, das auf kostengünstige Räumlichkeiten angewiesen ist.