Fahrende Diskurs-Interventions-Aktion

Am Samstag Nachmittag (31.3.) besammelten sich auf dem NT-Areal ca. 80 Personen, um für den Wagenplatz zu demonstrieren, der Anfang März von dort verdrängt wurde. Ein Traktor mit Anhänger sorgte für Musik, auf dem Fronttransparent stand „Bässlergut weg, Wagenplatz her!“ geschrieben, was auf das Basler Ausschaffungsgefängnis und dessen geplanten Ausbau im Jahr 2016 anspielt.
Via Riehenring, Clarastrasse, Mittlere Brücke ging es zum St. Johanns Park, wo der Umzug beendet wurde. Die Polizei hielt sich im Hintergrund. Während des Umzuges wurde folgender Text verteilt, der zu einer weiteren Demo gegen neoliberale Stadtentwicklung und für alternative Lebenskonzepte am 21. April aufruft.

Willkommen in Basel, einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. In der Region Basel finden Sie eine einmalige Dichte innovativer Firmen, eine weltoffene Kultur, ein internationales Umfeld, wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen und eine Lebensqualität, die höchste Ansprüche erfüllt.
Wenn auch Sie mit Dynamit zum Standort beitragen und
Teil des Erfolgs werden möchten, unterstützen wir Sie gerne.

www.baselarea.ch

Es gibt kein richtiges Leben im Falschen! Das falsche Leben ist die Wirklichkeit der sozialen Verhältnisse im kapitalistischen Produktionsprozess, welches in ihrer (postmodernen) Entfaltung ebenso totalitär die Stadt durchdringt und ein gutes Leben aller verunmöglicht. Das Tauschgesetz gilt überall. Die Stadt, welche vermeintliche Nischen und Freiräume für individuelle Freiheiten hervorbringt, ist als Teil menschlichen Lebens ebenso wie dieses komplett der Warenproduktion unterworfen. Nach einer langen und ausführlichen Analyse haben wir herausgefunden, dass hier irgendwie doch nicht nur Platzmangel in Basel herrscht. Die Stadt ist nicht geographischen oder natürlich gewachsenen Grenzen unterworfen, sondern GESELLSCHAFTLICH bedingten.

Wir möchten irgendwie nicht zum Standort Basel beitragen. Das idyllische Städtchen am Novartis Campus, mit all dieser Dichte an innovativen Firmen und Einkaufsstrassen und an Lebensqualität. Sie schaffen Rahmenbedingungen, die auf höchste Ansprüche einschränkend beschränken. Schranken der Superlative GEFALLEN MIR NICHT! Und damit zur guten Nachricht. Wir werden nicht atomisiert leben. So heisst es dann nicht zum Standort beitragen sondern: Abtragen, meine Damen und Herren, ist hier angebracht. Hier herrscht nicht Platzmangel, sondern Lebensqualität und Savoir-vivre. Das gute Benehmen ist die Kunst des Lebens: «So ist denn die Etikette, im wahrsten Sinne des Wortes, die Schranke gegen Übergriffe, die das Gesetz nicht zu erfassen vermag und als solche unentbehrlich ist. Laufende Verstösse gegen ihre gewöhnlich ungeschriebenen Regeln werden unentbehrlich geahndet, indem die Gesellschaft – d.h. der Kreis aller Menschen mit Herz, Charakter und einen natürlichen Sinn für Korrektheit – ihre Tore vor den Aussenseitern verschliesst.»

Die feine Lebensart ist der Schlüssel zum Erfolg und die Voraussetzung für eine Beteiligung am Basler Stadtleben. Und somit ist es nicht eine Frage des vorhandenen Platzes im Städtchen, wo der Rhein quer durch die Mitte fliesst, sondern ein politischer Entscheid, für wen hier wieviel Raum am Standort zur Verfügung gestellt wird.

Wir sind nicht die Randgruppe, sondern eine sich in Beziehungen subjektivierende, im Prozess der Emanzipation befindende Gesellschaft. Aus den bestehenden Strukturen entwachsen, um uns zu nehmen, was das Falsche uns nicht geben kann. Und damit wir das Leben ins Gleichgewicht bekommen, handeln wir nach guter, alter forstwirtschaftlicher Manier:

Zerstört ihr unsere Räume,
dann pflanzen wir zwei Neue.

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