Kurzzeitige Besetzung der Hochstrasse 74/76

Am Samstag Abend, den 22. November 2014 wurden die beiden Häuser an der Hochstrasse 74 und 76 besetzt. Da bereits am selben Abend die Zeichen auf Räumung standen, entschlossen sich die Besetzenden, das Haus wieder zu verlassen. Nachfolgend dokumentieren wir hier die Stellungnahme, welche im Anschluss an das Verlassen des Gebäudes an die Tageswoche geschickt wurde, sowie den Brief an die Nachbarschaft und die Eigentümer*innen. Vielen Dank an dieser Stelle an das Kollektiv Fuchsbau, welches uns die nachfolgenden Texte freundlicherweise zur Verfügung stellte.

 

STELLUNGSNAHME KOLLEKTIV FUCHSBAU

Die 2 Häuser an der Hochstrasse 74/76 standen seit über einem Jahr leer. Wir haben uns deshalb entschieden, mit einer friedlichen Besetzung ein politisches Zeichen zu setzen gegen Leerstand und Mangel an Freiraum in Basel.

Uns wurde nicht einmal ein Hauch einer Chance gelassen, der Öffentlichkeit unser Projekt noch unsere Bedürfnisse zu präsentieren. Bis heute, Sonntagabend, haben weder die Polizei noch die Medien Bericht  erstattet, was sich gestern Abend an der Hochstrasse zugetragen hat.

Am frühen Abend wurde das Haus von 20 jungen Menschen auf friedliche Art und Weise besetzt. Ohne Gewalt anzuwenden sind wir in den leeren Häusern eingezogen. Es folgte ein gemeinsames Abendessen, man unterhielt sich in Zimmerlautstärke. Die Stimmung war gelassen und entspannt – weder suchte man Streit noch Eskalation.
Transparente („Besetzt“, „Kollektiv Fuchsbau“, „Leerstand ist kein Zustand“) wurden auf der Frontseite des Hauses aufgehängt, um der Nachbarschaft zu signalisieren, dass wir in friedlicher Absicht gekommen sind.

Der Abend schien entspannt weiter zu gehen, bis um 23.30 ein massives Polizeiaufgebot (20-30 Schwergerüstete Bereitschaftspolizisten -> „Robocops“ inkl. Feuerwehr) auftauchte und uns der Einsatzleiter auf aggressivste Weise zu verstehen gab, dass wir seitens dem Besitzer der „Jean Cron AG“ unerwünscht sind und das Gebäude in den nächsten 10min zu verlassen haben; ansonsten würde gestürmt. Da wir illegal anwesend seien, würden wir nicht um Ausweiskontrolle herumkommen.

Obwohl wir versuchten mit der Polizei zu verhandeln stiessen wir auf taube Ohren. Die Polizei hielt stur an Ihrem Einsatz fest.

Wir finden es unerhört und absolut unverständlich, eine friedliche politische Aktion um 12.00 Nachts mitten im Wohnquartier räumen zu lassen. Die ganze Nachbarschaft wurde durch den Polizeieinsatz aufgescheucht – nicht wegen uns!

Wir lassen uns für unsere politischen Forderungen nicht kriminalisieren!

Wir haben uns entschieden, uns der angedrohten Polizeikontrolle konsequent zu entziehen, was uns gelungen ist. An diesem Abend wurde niemand festgenommen noch kontrolliert.

Gab es deshalb keine Polizeimeldung an die Medien?

Für unsere Forderungen mussten wir keine Gewalt anwenden. Die Polizei hielt es dennoch für nötig, die wunderschöne hölzerne Eingangstüre mit massiver Gewalt aufzubrechen und dadurch komplett zu zerstören, um ein wieder leeres Haus vorzufinden.

Was für eine massive Verschwendung von Energie für die Unterdrückung von Träumen junger Leute.

Eine willkommener „Ernstfall“ für die OSZE um die eigene Einsatzfähigkeit zu demonstrieren und angesichts kommender Demonstrationen ein Zeichen der Stärke zu setzen?
Eine Reaktion/Rache auf die wilde Demo vor 2 Wochen?

Wir sind masslos enttäuscht von den Machthabenden dieser Stadt. Wir müssen uns ernsthaft fragen, ob wir uns die Mühe machen sollen, unsere Anliegen weiterhin auf eine so friedliche Art vorbringen zu wollen.

Die Nulltoleranzgrenze dieser Stadt ist einfach inakzeptabel. Wieso ist das, was in anderen Städten (Lausanne ,Bern ,Zürich)  möglich ist (Toleranz gegenüber Besetzungen), in Basel nicht möglich? Die Kultur des Geldes ist in dieser ach so offenen Weltstadt inzwischen wichtiger geworden als die kulturellen Anliegen der eigenen Bevölkerung. (siehe Papptelleraffäre Messeplatz)

Anscheinend zählen die Anliegen der zahlungskräftigen Pharmafirmen mehr als die Bedürfnisse der eigenen Jugend. Wir wundern uns kaum noch, warum viele kreative Leute diese Stadt verlassen.

Wir sind sowas von wütend.

Das Kollektiv Fuchsbau

(Das Tageswoche hat daraufhin berichtet.)

 

Brief an die Nachbarn

Liebe Nachbarn

Wir, Das Kollektiv Fuchsbau, sind eine Gruppe junger Menschen, die nicht bereit sind den Immobilien-Poker der Stadt Basel weiter mitzuspielen.
Deshalb suchen wir nach Alternativen, wo wir zusammen kreativ und frei von Konsumzwängen leben können. Wir setzen uns für vorurteilslose Freiräume und kollektiven Wohnraum ein.
Die zwei Häuser an der Hochstrasse 74/76 sollen wiederbewohnt und wiederbelebt werden.
Das Ziel ist eine friedliche Zwischennutzung bis zur Umsetzung der geplanten Bauvorhaben.

Eine gute Beziehung zu Ihnen liegt uns sehr am Herzen. Deshalb möchten wir mit Ihnen zusammen zur Steigerung der Lebensqualität im Gundeli Quartier beitragen.
Ein Café bzw. Mittagstisch, Filmveranstaltungen sowie ein Gemeinschaftsgarten im Frühjahr sollen dazu beitragen. Konstruktive Kommunikation ist uns wichtig und wir haben immer ein offenes Ohr für Ideen und Anliegen aller Art, solange man sich mit Anstand und Respekt begegnet.
Wir laden sie heute ( Sonntag 23.11.14), herzlich ein bei uns vorbeizuschauen und sich erste Eindrücke von unserem Projekt zu verschaffen.
Um 12 Uhr gibt es einen Brunch, zu dem wir Sie auch gerne einladen wollen.

Nicht verzagen, Fuchsbau fragen

[Tel. Nr. entfernt]

 

Brief an Jean Cron AG  & Heeb und Schranz Architekten

Sehr geehrte Damen und Herren

Am,Samstag Abend den 22.11 haben wir Ihre Liegenschaft an der Hochstrasse 74 & 76 besetzt.

Besagte Liegenschaft steht schon sein seit längerem leer. Wir finden es unhaltbar, dass brauchbarer Wohnraum, trotz akuter Wohnungsnot, über längere Zeit ungenutzt bleibt. Menschen wie wir, die über keine grossen finanziellen Mittel verfügen, werden durch Immobilienspekulation, Luxussanierung und Quartieraufwertung systematisch aus der Stadt verdrängt. Nonprofit-Projekte sind kaum umsetzbar. Im Raum Basel besteht ein grosser Bedarf an Räumlichkeiten für Wohn-,Kultur- und Kunstprojekte.

Wir sind ein Kollektiv von jungen Leuten und haben nicht die finanziellen Mittel, eine ganze Liegenschaft zu mieten, um unsere Projekte verwirklichen zu können. Deshalb haben wir den direkten Weg der Besetzung gewählt und wollen so die erwähnten Liegenschaften bis zum Anbeginn der Bauarbeiten der anstehenden Totalsanierung zwischennutzen und beleben.

Es geht uns nicht darum. Ihre geplanten Projekte zu verunmöglichen, aber wir sind daran interessiert, den Leer stehenden Wohnraum in der Zwischenzeit sinnvoll zu nutzen.

Wir bieten Ihnen an, die anfallenden Nebenkosten (Strom, Wasser, Gas) zu bezahlen und übernehmen die Verantwortung bis zum tatsächlichen Baubeginn.

Wir sind an einem konstruktiven Dialog interessiert und streben an, mit Ihnen in Verhandlung zu treten.

Durch einen Zwischennutzungsvertrag mit uns würden Sie von vielen Pflichten befreit werden. Gerne erwarten wir Sie für ein Treffen vor Ort in der besagten Liegenschaft, um bei einem persönlichen Gespräch die gegenseitigen Interessen auszutauschen.

Wir sind ausschliesslich auf dieser Nummer für Sie erreichbar:

[Tel. Nr. entfernt]

Wir hoffen auf eine gute Zusammenarbeit

Das Kollektiv Fuchsbau

 

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